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05. Februar 2020

Gilead Sciences: Neues Milliardenpräparat dank Corona Virus?

 

Der Corona-Virus breitet sich derzeit mit hoher Geschwindigkeit aus. Allein in den vergangenen 4 Tagen bestätigten die chinesischen Behörden fast 10.000 Neuinfizierte. Damit zählt man nun in China derzeit 24.324 Fälle. Inzwischen sind 490 Menschen an der Lungenkrankheit verstorben. Es ist ganz offensichtlich, die Zeit drängt.

Wie ich bereits in der Kurzempfehlung angedeutet habe, wurde in den USA ein 35-jähriger Amerikaner offenbar erfolgreich behandelt und gilt mittlerweile als nahezu geheilt von der Infektion. Ursächlich für die erfolgreiche Therapie war dabei möglicherweise die Verabreichung des nicht-zugelassenen Wirkstoffes Remdesevir, den das US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences bereits in der Vergangenheit in einem anderen Zusammenhang entwickelt hatte.

Jeder von Ihnen versteht die Brisanz dieser Nachricht. Sollte Gilead tatsächlich über einen wirksamen Impfstoff gegen das Virus verfügen, würden dem Unternehmen quasi aus dem Stand neue Milliardenumsätze winken. Wichtig ist dabei vor allem, dass Remdesevir nicht nur in der Therapie der ausgebrochenen Infektion eingesetzt werden kann, sondern auch in der Prävention der Krankheit. Mit anderen Worten: In China werden unter Umständen demnächst Millionen Dosen dieses Präparates zur Vorbeugung ausgegeben.

Gleichwohl ist es derzeit noch früh, um von einem Durchbruch im Kampf gegen die Pandemie zu sprechen. Außerdem ist die Wirksamkeit des Wirkstoffes Remdesevir natürlich nicht zweifelsfrei bewiesen. So befand sich der 35-jährige Amerikaner insgesamt noch in relativ guter Verfassung, als er sich am 19. Januar freiwillig in die Notaufnahme des örtlichen Krankhauses begeben hat.  Die Symptomatik war noch nicht sehr ausgeprägt, die Krankheit befand sich in einem frühen Stadium.

Möglicherweise wäre der Patient auch aus eigenen Kräften genesen. Ferner haben die behandelnden Ärzte am 5. und 6. Tag des Krankenhausaufenthaltes zunächst andere Präparate (die Antibiotika Vancomycin und Cefepime) eingesetzt. Möglicherweise haben auch diese Präparate zum Behandlungserfolg beigetragen. Dabei trat allerdings eine offensichtliche Genesung des Patienten erst am 7. Tag ein, als die beiden erwähnten Präparate abgesetzt worden sind und nur Remdesevir verabreicht wurde.    

Also: Der erste Augenschein spricht dafür. Gilead hat ein neues Milliardenpräparat am Start. Dabei dürfte es unerheblich sein, dass der Wirkstoff bis jetzt noch nicht abschließend – etwa auf Nebenwirkungen – getestet worden ist und deshalb eigentlich nicht zugelassen ist. Dieses Problem werden die Chinesen sicherlich unbürokratisch lösen, sofern Remdesevir glaubhaft Linderung verspricht. Auch für die USA und die EU rechne ich mit raschen Zulassungsverfahren. So wurde der entsprechende Wirkstoff gegen den Zikavirus (2015/16) bereits nach 3,2 Monaten zur Therapie freigegeben.

Gilead Sciences hat Medizingeschichte geschrieben

Aber spielen wir es dennoch einmal durch. Was geschieht mit der Aktie, wenn sich die Phantasie rund um den neuen Wirkstoff zerschlägt? In diesem Fall würde die Aktie sehr schnell um rund 10 bis 12 % fallen und damit zu ihrem ursprünglichen Kursniveau vor Ausbruch der Pandemie zurückkehren.

Gilead Sciences dürfte den meisten unter Ihnen gut bekannt sein. Hier kaufen Sie keine unbestimmte Hoffnungsgeschichte, sondern eines der erfolgreichsten Biotech-Unternehmen der Vergangenheit. Bekannt wurde das Unternehmen vor allem in den USA und Europa rund um die sog. 1.000-Dollar-Pille. Das Präparat Harvoni schaffte bei der bis dahin nur sehr eingeschränkt heilbaren Hepatitis C sensationelle Heilungsquoten von weit über 90 %. Die Weltgesundheitsorganisation führt das Arzneimittel bzw. den Wirkstoff auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel. Harvoni begeisterte nicht nur die Patienten, sondern bescherte Gilead Sciences in der Spitze einen Jahresumsatz von 10 Milliarden US-Dollar. Damit gehört das Präparat zu den meistverkauften Medikamenten der Geschichte.

Leider sind diese ruhmreichen Zeiten für das Biotech-Unternehmen zunächst vorüber. Der Patentschutz für Harvoni ist schon lange ausgelaufen. Das Nachfolgepräparat namens Sovaldi erzielte zuletzt nur noch Umsätze von rund 700 Millionen US-Dollar.  

In den vergangenen Jahren hatte sich Gilead auf die sog. NASH-Erkrankung konzentriert und daran große Hoffnungen geknüpft. Die Abkürzung NASH bezeichnet die Nicht-Alkoholische Steatohepatitis oder – etwas volkstümlicher – die entzündete Fettleber. Diese Fettleber-Hepatitis führt in vielen Fällen zu Leberkrebs oder zur Vernarbung der Leber (Zirrhose). Derzeit sollen allein in Deutschland rund 12 Millionen Menschen eine Fettleber haben, in über 750.000 Fällen hat sich die einfache Fettleber zur NASH-Krankheit entwickelt. Mediziner sehen NASH mittlerweile auf dem Weg zu einer neuen Volkskrankheit. Teilweise sieht man für dieses Segment weltweit ein Marktvolumen von bis zu 60 Milliarden US-Dollar.

Freilich ist diese gewaltige Zahl etwas theoretisch. Denn derzeit existiert überhaupt keine medikamentöse Therapie für NASH. Erst im vergangenen Jahr floppte hier die Gilead-Entwicklung Selonsertib. Auch die Konkurrenz wie Allergan und Intercept Pharma versagten hier bisher. Trotzdem gilt natürlich: Das Unternehmen, das im NASH-Markt zuerst punktet, wird sich sehr viel Geld holen.

Gilead ist sicherlich hier in guter Startposition. Derzeit befinden sich 6 NASH-Wirkstoffe in der Pipeline. Davon befindet sich allerdings nur einer in der dritten, also letzten klinischen Testphase. Mit anderen Worten: Kurzfristig kann das Unternehmen hier kaum mit neuen Umsätzen oder Gewinnen rechnen.

Gilead ist Marktführer in der Aids-Therapie

Uneingeschränkt stark sind die US-Amerikaner im Bereich der Aids-Therapie sowie der HIV-Prävention. Hier erzielte man zuletzt einen Umsatz von rund 14 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Kassenschlager ist hier besonders Truvada bzw. sein Nachfolger Descovy. Vereinfacht gesprochen schützen sich die entsprechenden Risikogruppen gleich schon vor der Ansteckung durch den HI-Virus. Auch in diesem Feld hat Gilead historische Arbeit geleistet und dafür gesorgt, dass heutzutage auch ein Leben mit dem HI-Virus möglich ist.

Aber: Truvada hat mittlerweile den Patentschutz verloren. In Zahlen liest sich das dann so: Ursprünglich kostete die Truvada-Anwendung pro Monat 820 Euro. Nachdem der Patentschutz hinfällig war, ging Ratiopharm in den Markt und bot den Wirkstoff für 550 Euro pro Monat an. Jetzt kostet die Anwendung nur noch 70 Euro pro Monat.

Die aktuellen Quartalszahlen bestätigen meine Analyse. Den Umsatz steigerte Gilead nur marginal um 1,4 % auf 5,88 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn pro Aktie sank hingegen um fast 10 % auf 1,30 US-Dollar. Hier wirkte, dass die Amerikaner zuletzt ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung auf  7,1 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelt haben.

Fazit: Gilead Sciences ist immer noch ein Riese. Man verfügt über reichlich Substanz und sitzt z.B. auf einem Geldberg von rund 25 Milliarden US-Dollar. Deshalb schüttet Gilead auch eine sehr anständige Dividende in Höhe von 2,72 US-Dollar pro Jahr aus. Das allein entspricht einer quasi garantierten Rendite von über 4 %. Das ist für mich dennoch nicht das Kaufargument.

Ich setze bei dieser Aktie ganz punktuell auf den Wirkstoff Remdesevir, der das Potenzial hat, die Corona-Virus-Pandemie weltweit zu stoppen. Remdesevir kann dem Unternehmen kurzfristig mehrere hundert Millionen US-Dollar in die Kasse spülen. Wahrscheinlich werden diverse Staaten auch eine Notfallreserve aufbauen. Günstig ist zudem, dass Remdesevir auch gegen andere Corona-Viren wirkt. Zur Erinnerung: Den SARS- und MERS-Pandemien lag ebenfalls ein Corona-Virus zugrunde.

Nach der Kurzempfehlung habe ich die Aktie der Gilead Sciences bereits in das offensive NextGeneration-Depot eingebucht. Kaufen Sie die Aktie, sofern noch nicht geschehen, zu Kursen bis 61 Euro. Geeignete Handelsplätze sind unter anderem Xetra oder Tradegate.  

Gilead Sciences Inc.

WKN: 885823

1-Jahres-Chart in USD

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