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16. Dezember 2020

Swatch Group: Das Corona-Opfer kommt jetzt zurück

Wenn Unternehmen zuletzt operativ versagt haben, dann ist der Schuldige immer schnell gefunden. Es ist natürlich das Virus. Der Schweizer Uhrensteller The Swatch Group freilich kann diese Entschuldigung für sich nicht geltend machen. Dem Unternehmen gelang nämlich schon lange vor der Coronakrise das seltene Kunststück, praktisch jeden Trend im Endkundengeschäft zu verschlafen.

Für die Unternehmensführung um Großaktionär Nick Hayek etwa war die digitale Smartwatch lange ein überflüssiges Spielzeug für Freaks. So öffnete man die Tür für das US-Unternehmen Apple. Die Amerikaner nahmen die Einladung dankend an und stiegen in der Folge – gemessen an der Stückzahl – mit der Apple-Watch zum größten Uhrenproduzenten der Welt auf. Auch einen stringenten Online-Vertrieb brachte Swatch nicht zu Stande, sondern vertraute stattdessen lieber auf die eigenen stationären Niederlassungen.

Dann kam das Corona-Virus und deckte die unternehmerischen Fehlleistungen der Vergangenheit auf. Auf dem Höhepunkt der Pandemie mussten 80 % der Filialen schließen. Der Umsatz kollabierte folglich. Allein im Februar 2020 verlor man 84 % des Umsatzes aus dem Vorjahreszeitraum. Gerechnet auf das erste Halbjahr sank der Konzernumsatz um fast 44 %. Erstmals in seiner Geschichte mussten die Eidgenossen rote Zahlen melden.

In der Folge hat sich der Kurs der Swatch-Aktie mehr als halbiert und wurde damit auf seinen Buchwert eingedampft. Zur Information: Der Buchwert bezeichnet den bilanziellen Substanzwert eines Unternehmens. In der Börsenpraxis gilt er als die niedrigste denkbare Bewertung für ein Qualitätsunternehmen. 

Die Wende: Die Schweizer reißen das Ruder energisch herum

Wer in der Vergangenheit viel falsch gemacht hat, kann in der Gegenwart und Zukunft viel verbessern. Die Lektion der Coronakrise hat man am Konzernsitz in Biel (Kanton Bern) nun verstanden. Zumal auch die Familie des Konzernchefs Nick Hayek fast 40 % der Swatch-Aktien hält. Nick Hayek hat also die Konsequenzen seiner verfehlten Vertriebsstrategie im eigenen Depot besonders intensiv erfahren.  

Also hat man in diesem Jahr das Ruder in Biel herumgerissen und konzentriert sich nun unter anderem auf die Online-Welt. So wurde das weltweite Filialnetz ausgedünnt. Gleichzeitig hat man den Uhrenmarken wie Swatch, Longines oder Tissot einen eigenen Online-Shop verpasst. Derzeit macht man daneben die Uhren der Marke Omega online verfügbar.  Lediglich die Marken des Luxussegmentes wie Glashütte Original oder Breguet belässt man gezielt in der Offline-Welt. Uhren mit Preisen ab 6.000 CHF werden nur in Ausnahmefällen im Internet gekauft.

Mit anderen Worten: Auch wenn die Pandemie nie mehr geht und der Einzelhandel dauerhaft geschlossen bleibt, dann holt sich der interessierte Kunde diesmal seine Uhr etwa unter www.tissotwatches.com. Einen Kollaps des Geschäftsmodells, wie es das Unternehmen auf dem Höhepunkt der Coronakrise erlebt hat, ist mittlerweile nicht mehr vorstellbar.

Das macht Swatch jetzt besser als Apple 

Daneben haben die Schweizer endlich ihre erste Smartwatch entwickelt, die man unter der Marke Tissot angesiedelt hat. Die Tissot T-Touch Connect Solar hat in der Fachwelt bereits für Furore gesorgt. Zwar ist das Modell keine echte Smartwatch, sondern lediglich eine hybride Smartwatch, da man mit dem Gerät nicht telefonieren kann. Es informiert also über Anrufe, SMS oder Nachrichten von Apps, die auf dem Smartphone eingehen. Die Steuerung erfolgt mittels des Ziffernblattes, das damit quasi als Touch-Display funktioniert. Bereits im Offline-Modus bietet die T-Touch Connect zahlreiche Funktionen wie Höhenmesser, Kompass oder etwa Wetterbericht. Zielgruppe des Modells sind eindeutig jüngere und aktive Menschen, die z.B. für eine Bergwanderung ein Navigationsgerät benötigen, das ebenfalls in die Uhr integriert worden ist.

Das hebt die Tissot-Smartwatch von der Konkurrenz ab: Swatch hat als einziger Uhrenhersteller ein eigenes Betriebssystem namens Sw-ALPS entwickelt. Dieses System ist kompatibel mit allen gängigen Systemen wie Android oder iOS (Apple) und Harmony (Huawei). Mit anderen Worten: Wer die T-Touch trägt, kann jedes Smartphone verwenden. Die Konkurrenz hingegen setzt einseitig auf Android Wear, das nur eingeschränkt mit Apple-Smartphones kommuniziert.

Konkurrenten wie TAG Heuer und die Fossil Group mögen auch gute Smartwatches anbieten. IT-Kompetenz hat man dort allerdings nicht. Das kann sich langfristig für Swatch als erheblicher Wettbewerbsvorteil herausstellen.

Noch eine große Stärke der T-Touch: Die Ingenieure der Swatch haben unter dem Ziffernblatt eine Mikro-Solarzelle integriert, die die regelmäßige Entladung der Uhrenbatterie stark verzögert. So hält der kleine Stromspeicher der T-Touch im Alltagsbetrieb 6 Monate lang durch. Zum Vergleich: Eine handelsübliche Apple-Watch müssen Sie mindestens alle 18 Stunden vom Handgelenk nehmen und in die Ladestation legen. Wirklich nutzer-freundlich ist das nicht.

Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass die Schweizer in punkto Qualität und Verarbeitung wie üblich wieder einmal die Standards gesetzt haben. So kommt die T-Touch mit kratzfestem Saphirglas und solidem Titangehäuse daher. Die Apple-Watch ist letztlich nicht mehr als eine Plastikuhr. Die Erwartung von Apple ist klar: Diese Uhr ersetzen Sie tunlichst alle zwei Jahre durch das Nachfolgermodell. Die Tissot T-Touch Connect Solar hingegen ist eine Anschaffung fast für das ganze Leben. Da sich das Betriebssystem Sw-ALPS laufend aktualisiert, ist der Nutzer gleichwohl technisch betrachtet immer auf der Höhe der Zeit.

Die T-Touch-Uhr ist mit einem Preis von knapp 1.000 Euro (Deutschland) im gehobenen unteren Preissegment angesiedelt und hat damit das Zeug zum „qualifizierten Massenmarkt“.  Zu Deutsch: Das Modell kann in hohen Stückzahlen verkauft werden, auch wenn der Schweizer Uhrenhersteller die Absatzzahlen der Apple-Watch ohne Frage nicht schaffen wird.  

Die Kennzahlen: Unternehmen seit Juni wieder in den schwarzen Zahlen

Wie bereits eingangs angedeutet sind die letzten Halbjahreszahlen – das Unternehmen berichtet nicht quartalsweise – aufgrund der Sondersituation (Corona) wenig aussagefähig. Unter dem Strich mussten die Eidgenossen einen Fehlbetrag von rund 300 Millionen CHF hinnehmen. Nach Unternehmensangaben arbeitet man allerdings seit Juni operativ wieder in den schwarzen Zahlen. Hier wirkte sich unter anderem günstig aus, dass man fast 50 % seines Umsatzes im Großraum China erzielt. Bekanntlich hat man dort das Virus weitgehend besiegt, sodass das wichtige Offline-Geschäft etwa in Hongkong wieder brummt.

Gleichwohl erwarte ich, dass Swatch nächstens eine Kürzung der Dividende bekannt geben wird. Für das Geschäftsjahr 2019 schüttete man noch 8 CHF je Aktie aus. Mehr als 4 CHF kann ich mir für das laufende Geschäftsjahr nur schwer vorstellen. In den kommenden Jahren sollte die Gewinnbeteiligung allerdings wieder auf das gewohnte Niveau von 8 CHF zurückkehren. Beachten Sie hierzu bitte auch die Schätzungen der Analysten, die ich für Sie oben am rechten Rand zusammengestellt habe.

Das sind meine Erwartungen an das Unternehmen sowie seine Aktie: Ich erwarte, dass die Unternehmensführung die Digitalisierung der Vertriebskanäle vor allem in Europa und Asien (China) weiter vorantreibt. Weitere Einschnitte in das globale Filialnetz sind meines Erachtens unvermeidlich. Dabei wird das Unternehmen sicherlich auch überlegen, künftig mehrere Marken unter einem Filialdach zusammenzufassen.

Was meine ich damit konkret? Eine Omega-Uhr kaufen Sie in einer Omega-Boutique. Dort finden Sie allerdings keine Uhren von Longines oder Blancpain. Hier kann es sinnvoll sein, zumindest Marken des gleichen Preissegmentes gezielt zusammenzubringen, um dem Offline-Kunden unter einem Filialdach eine breitere Palette anzubieten.

Insgesamt erwarte ich, dass die Aktie die im April 2020 gestartete Erholung fortsetzt und dabei spürbar besser als der Schweizer Gesamtmarkt (SMI-Index) abschneidet. Die Aktie hat enormes Nachhol- und Turnaround-Potenzial.

Ich kaufe die Aktie der Swatch Group für das Dividendendepot mit einer Gewichtung von 10 %. Ein Kauflimit ist bei dieser rege gehandelten und marktbreiten Aktie nicht erforderlich (billigst).

Ein Hinweis für die Leser mit Wohnsitz und Bankverbindung in Deutschland: Derzeit sind Schweizer Aktien hierzulande börslich nicht handelbar. Deshalb haben viele Depotbanken für diese Aktien mithilfe von Börsenmaklern wie Baader oder Lang & Schwarz einen außerbörslichen Handel für ihre Kunden organisiert. Hier erwerben Sie also die Aktie der Swatch Group zu den günstigen Inlands-Konditionen.

Stellt Ihnen Ihr Online-Broker eine solche außerbörsliche Handelsplattform nicht zur Verfügung, kaufen Sie die Aktie einfach über den Börsenplatz Zürich. Ich selbst werde so verfahren.

Abschließend ein Hinweis auf Interessenkonflikt: Ich bin persönlich oder für Dritte in der Aktie der Swatch Group investiert.   

 

So kaufen Sie diese Empfehlung:

WKN / ISIN:                    865126 / CH0012255151

Börsenplatz:                  Zürich

Limit:                               billigst

Gewichtung:                   10 %

Depot:                             7%-Dividenden

The Swatch Group SA

WKN: 865126

4-Jahres-Chart in CHF

Markenübersicht

Tissot T-Touch Connect Solar

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