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20. Dezember 2019

Dezember: Meine 4 Prognosen für das Börsenjahr 2020

 

In diesem Jahr bleiben uns nur noch wenige Handelstage. Gedanklich sind Sie als guter Hausmann oder gute Hausfrau vielleicht schon bei der Planung des großen Weihnachtsmenüs. Als Börsianer befassen Sie sich möglicherweise bereits mit dem kommenden Börsenjahr. Was erwartet uns da? Können wir unsere diesjährigen Gewinne halten oder vielleicht sogar noch ausbauen?

Ich habe mich entschieden, diesmal auf einen konventionellen Jahresausblick zu verzichten. Zuletzt habe ich natürlich zahlreiche Jahresprognosen diverser Kollegen konsumiert und fand die alle eher langweilig. Der Tenor in der Szene lautet ungefähr so: Es wird ein schwieriges und politisches Jahr. Gleichwohl sieht man Potenzial für weitere moderate Kurssteigerungen, auch wenn zwischenzeitlich mit erheblichen Volatilitäten zu rechnen ist.

Ich will niemanden aus meiner Branche ans Bein treten. Aber solche Prognosen lese ich, seit ich Börsianer bin. Besonders die Prognose gesteigerter Volatilität ist wenig originell. Das ist so wie, wenn ich vorhersehe, dass im kommenden Jahr an vielen Tagen die Sonne scheinen wird, es allerdings mitunter auch stark regnen wird. Solche Prognosen stimmen immer und sind für uns als Börsianer garantiert wertlos.

Von mir lesen Sie im Folgenden stattdessen 4 knackige und pointierte Prognosen. Lassen Sie mich, bevor ich loslege, noch einige Bemerkungen voranstellen: Meine Kollegen irren in einem Punkt sicherlich nicht. Auch 2020 wird wieder einmal ein politisches Jahr. Vor allem die Anfang November stattfindenden US-Präsidentschaftswahlen werden im Verlauf des Jahres zu einem wichtigen Einflussfaktor für die Aktienmärkte. Hier ein kleiner Terminkalender für Sie:

Im Februar startet die Demokratische Partei ihre internen Vorwahlen zur Bestimmung ihres Präsidentschaftskandidaten. Bereits Ende März wird man rund 2 Drittel der Vorwahlen absolviert haben. Dann wird sich zumindest bei den Demokraten ein Favorit herauskristallisieren. Mitte Juli findet dann der Nationale Parteitag der Demokraten statt, der dann endgültig den Kandidaten kürt.

Donald Trump übrigens muss auch noch vom Parteitag der Republikaner (August) zum Kandidaten bestimmt werden. Automatisch ist der Mann nicht gesetzt. Theoretisch kann er durch eine Art Parteirevolte noch gestürzt werden und von der Wahl im November ausgeschlossen werden.

Nun zur Sache!

Prognose 1: US-Wahl kann schweren Crash auslösen

Üblicherweise sind Wahljahre in den USA für uns als Börsianer eher starke Jahre. So schaffte der S&P 500 im Jahr 2016 – Donald Trump wird Präsident – vor Dividenden einen Zuwachs von 11 %. Besonders dynamisch kam der US-Markt dabei besonders an den Tagen unmittelbar nach der Wahl voran.

Diesmal droht uns das genaue Gegenteil. Denn im Kandidatentopf der Demokraten finden sich doch einige illustre Persönlichkeiten, die die Wall Street nicht unbedingt in politischer Verantwortung sehen will. Da ist zunächst der derzeitige Senator des US-Bundesstaates Vermont, Bernie Sanders, der mit Hingabe gegen die Big-Tech-Unternehmen polemisiert. Besonders Facebook und Alphabet stehen als tatsächliche oder vermeintliche Monopolisten im Fokus seiner Kritik.

Wird dieser Mann Präsident, droht den Big-Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley zumindest einmal eine neue Digitalsteuer. Ferner möchte der Mann aus Vermont in die Eigentumsverhältnisse und in das Geschäftsmodell der Unternehmen eingreifen. Seine Ideen hier: Fusions- und Übernahmeverbote bis hin zu einer Zerschlagung der Big-Tech-Giganten.

Ferner verspricht Sanders ‚Internet für alle‘. Was verbirgt sich hinter dieser Wendung? Sanders ist der Meinung, dass das schnelle Breitband-Internet bei den Telekom-Versorgern wie AT&T, Verizon oder Comcast nicht in besten Händen ist. Er hat nicht ausdrücklich erklärt, wo es denn in besseren Händen wäre. Aber solche Internet-für-alle-Politik klingt für mich mindestens einmal nach Preisregulierung und anderen Begrenzungen für die Unternehmen der Telekom-Branche.

Und die Demokraten haben mit Ms. Elizabeth Warren gleich noch einen weiteren potenziellen Börsenschreck im Kandidatentopf. Die Senatorin aus Massachusetts hat es mit den US-Großbanken wie Goldman Sachs, Wells Fargo oder Citigroup. Sie sieht hier ebenfalls monopolistische Strukturen, die zumindest begrenzt gehören. Aber auch Sie als Anleger hat die Dame im Blick. So stellt sie sich vor, dass wir künftig beim Kauf eines US-Wertpapiers eine Finanztransaktionssteuer bezahlen. Selbstverständlich soll diese Steuer auch für US-Investoren gelten.

Derzeit liegen Sanders und Warren in den Meinungsumfragen ungefähr gleich auf mit dem gemäßigten Joe Biden. Der letztgenannte wäre den Investoren sicherlich genehm. Sanders und Warren haben allerdings realistische Chancen, für ihre Partei in den Wahlkampf um die Präsidentschaft zu ziehen. Damit wäre die laufende Hausse zumindest gebremst. Zieht einer der Persönlichkeiten sogar ins Weiße Haus ein, müssen wir auf massive Rücksetzer vorbereitet sein.

Prognose 2: Bitcoin am Ende – Gold startet weiter durch

Der Chart verrät uns schon viel. Besonders im vergangenen Jahr kollabierte der Bitcoin. Zuletzt hat sich die digitale Kunstwährung zwar wieder spürbar erholt. Dennoch, der Bitcoin konnte bislang die Erwartungen des Marktes nicht erfüllen. Unverändert findet die Währung auch keinen Zutritt in die reale Wirtschaftswelt und spielt als Zahlungsmittel selbst im Internet keine echte Rolle.

Was ist das Problem? Die Politik mauert und wünscht keine Parallelwährung neben den jeweiligen nationalen Währungen. Zwar liegt dem deutschen Bundestag derzeit ein Gesetzentwurf vor, der den deutschen Kreditinstitut erstmals die Verwahrung und die Lagerung digitaler Währungen gestatten soll. Allerdings wird diese Erlaubnis eingerahmt von massiver Regulierung. So muss die Bank umfängliche Dokumentationspflichten erfüllen, weiteres Eigenkapital für die Krypto-Währungen hinterlegen etc. Fazit: Auf dem Papier sieht der Gesetzentwurf recht progressiv und liberal aus. In der Praxis wird das Bundesfinanzministerium die gute Idee auf dem Verordnungsweg zunichtemachen.

Auch die Bemühungen des Mark Zuckerberg (Facebook) um eine eigene global akzeptierte Krypto-Währung (Libra-Projekt) scheinen im Sande zu verlaufen. Erst kürzlich haben sich die Zahlungsdienstleister Mastercard, Visa und eBay aus dem Libra-Konsortium verabschiedet. Auch der Online-Händler eBay hat keine Lust mehr auf Libra und hat sich ebenfalls aus dem Gründerkonsortium zurückgezogen. Das ist schade, denn Libra hätte das Potenzial für eine echte Weltwährung gehabt. Unternehmen hätten im Auslandsgeschäft Währungsrisiken ausschalten können und daneben viel Kosten, die durch Umrechnung und Tausch entstehen, vermeiden können.

Die bessere Parallelwährung für uns wird im kommenden Jahr zweifellos Gold sein. Der Markt ist in guter Verfassung und hat die Korrekturbewegung der Jahre 2013 bis 2015 mittlerweile abgeschlossen. Das Vermögensniveau in dieser Welt ist weiterhin stattlich, und viele Investoren misstrauen unverändert der Neuen Geldpolitik der Notenbanken. Diese Konstellation spricht für weiter steigende Gold- und Silbernotierungen.

Prognose 3: Großbritannien jetzt besser als EU

In den bundesdeutschen Medien lesen Sie fortlaufend, wie schädlich der Brexit für die britische Volkswirtschaft ist und dass sich das Inselvolk mit dem Brexit-Entscheid ins eigene Knie geschossen hat. Ich teile diese Meinung nahezu uneingeschränkt. Sogar der alte und neue britische Premierminister Boris Johnson weiß sehr genau, dass der Brexit nicht unbedingt ein starkes Konjunkturprogramm für sein Land ist.

Deshalb verordnet er nun Großbritannien ein straffes Reformprogramm, um das Land fit zu machen für den Konkurrenzkampf jenseits der EU. In jedem Fall wird die neue britische Regierung zunächst die Einkommenssteuer absenken und damit die Steuerzahler entlasten. Wahrscheinlich ist auch eine Reform bzw. Senkung der Unternehmenssteuern. So will Johnson die befürchtete Abwanderung britischer Unternehmen aufs Festland verhindern und im Idealfall sogar Unternehmen aus dem Ausland anziehen. Kurzum: Großbritannien macht sich jetzt richtig sexy für Unternehmen und Investitionen.

Mittelfristig wird die Klärung der Brexit-Frage ohnehin dreistellige Millionen-Investitionen diesseits und jenseits des Ärmelkanals freisetzen. Denn die dreijährige Brexit-Hängepartie hatte genau diese Investitionen blockiert. Aber: Das Geld ist noch da und wird in den kommenden Monaten investiert.

In dem Sinn wird es sich für Sie auszahlen, nächstens einmal die Britannien-Quote für Aktien in Ihrem Depot hochzufahren. Abschließend werde ich ausnahmsweise emotional: Ich bin anglophil, habe besonders in jüngeren Jahren England vielfach gerne besucht. So bedauere ich den „Abgang“ der Briten aus Europa. Aber: Norwegen und Schweizer sind auch nicht in der EU und trotzdem mögen wir sie und machen mit ihnen gute Geschäfte, oder?

Prognose 4: FANG war gestern – jetzt wollen die Investoren New Software

Ich schicke es gleich vorweg: Facebook, Amazon, Netflix und Google (Alphabet) sind großartige Unternehmen und werden dies absehbar auch noch einige Jahre bleiben. Gerade in den USA sind allerdings in den letzten Jahren diverse Software-Unternehmen entstanden, die sich anschicken die Branche umzukrempeln. Diese jungen Wilden wie etwa Twilio, Splunk, HubSpot oder mit Abstrichen hierzulande TeamViewer rütteln am Thron der Altvorderen. Ihre Aktien versprechen maximale Renditen und werden im kommenden Jahr die FANG-Aktien überflügeln.

Ich bezeichne dieses Marktsegment als New Software. Was ist typisch für die unterschiedlichen Software-Anwendungen dieser Unternehmen. Zunächst wird hier selbstverständlich künstlich intelligent programmiert und außerdem alles in der Cloud abgeladen. Da ist jetzt noch nicht das Besondere. Cloud und KI sind bekanntlich inzwischen absoluter Branchenstandard.

Die jungen Wilden beschreiten vor allem in punkto Vertrieb, Anwendung und Entgeltmodellen völlig neue Wege. Was meine ich konkret?

  1. Der Vertrieb wird heutzutage nach dem sog. Freemium-Modell organisiert. Danach nutzt der Kunde zunächst unverbindlich und quasi spielerisch eine freie und kostenlose Basisversion. Selbstverständlich reichen die Funktionen dieser Version nicht weit. Also bestellt der Kunde – in der Regel Unternehmen – einige Leistungsmerkmale aus einem Baukasten hinzu, die nun natürlich kostenpflichtig sind. Der Kunde gleitet also idealerweise immer tiefer in die Software. Die wichtigen Vertriebskanäle der New-Software-Unternehmen sind dabei Facebook oder etwa die Google-Suchmaschine. Konventionelle Vertriebsstrukturen mit Vertretern und Repräsentanten sind nicht mehr gefragt.
  2. Die Anwendung in den Unternehmen erfolgt dezentral. Zu Deutsch: Die Abteilung X innerhalb eines Unternehmens nutzt unter Umständen eine andere E-Mail-Software als die Abteilung Y. Mitunter mag das zu Problemen der Kompatibilität führen. Diese Kleinteiligkeit hat allerdings aus Sicht von Twilio und Co den großen Vorteil eines schnellen und unkomplizierten Zugangs zu den Kunden. Man spricht immer direkt mit den Anwendern, die im Rahmen einer eigenen Budgetverantwortung die Software eigenständig auswählen. Und Sie verkaufen einem Unternehmen weit schneller 100 Kleinanwendungen als eine großen Software-Lösung für eine siebenstellige Lizenzgebühr.
  3. Das Preismodell: Stellen Sie sich vor, Sie mieten eine Lizenz für die Office-Anwendung aus dem Hause Microsoft. Dann haben Sie eine feste Vertragslaufzeit und natürlich auch einen vertraglich vorab fixierten Preis. Wie intensiv Sie die Software nutzen, spielt für den Preis also keine Rolle. New Software funktioniert anders: Hier bezahlen Sie nach Nutzung bzw. pro Vorgang. Beispiel: Sie haben als Betreiber des Online-Shops socken24.de eine große Mailing-Kampagne zur Vorstellung Ihrer Weihnachtskollektion gestartet. Hier bezahlen Sie nun 2 Euro-Cent pro versandter Mail. Im nächsten Quartal stehen hingegen keine Kampagnen auf dem Programm. Also entstehen Ihnen für die Software keine Kosten. Ich kann Ihnen versichern, vor allem Mittelständler stehen auf solche flexiblen Lösungen und Preismodelle. Aber auch Nestlé oder Porsche nehmen solche Modelle mittlerweile gerne in Anspruch.

Was machen eigentlich die hier genannten Software-Unternehmen konkret? Ein Beispiele Twilio koordiniert und automatisiert die externe Kunden-Kommunikation eines Unternehmens. Egal, ob Sie Nestlé oder ein vergleichbares Unternehmen über Facebook, Instagram oder per E-Mail kontaktieren, die Twilio-Software führt jede Kommunikation auf einer Plattform zusammen. Damit hat das Unternehmen immer den sog. Rundum-Blick auf den Kunden bzw. die bisherige Kommunikation.

Noch ein Beispiel: HubSpot entwickelt E-Mail-Kampagnen, selektiert die Kundendatei nach bestimmten Merkmalen und führt auch den Versand automatisch durch. Für solche Vorgänge unterhalten viele Unternehmen heute noch ganze Abteilungen.

Zum Abschluss: Die Aktien der jungen Wilden sind leider nicht immer ganz pflegeleicht und eignen sich nicht unbedingt als sanftes Ruhekissen. Viele der New-Software-Unternehmen schreiben zudem noch keine schwarzen Zahlen. Anders gesprochen: Diese Aktien sind so wie die von Amazon, Alphabet oder Netflix in ihren ersten Börsenjahren. New Software werde ich in den kommenden Monaten zu einem zentralen Schwerpunkt des NextGeneration-Depots ausbauen. Bislang sind wir in diesem Segment über die Position Splunk Inc. investiert.

Nach der Übertreibung ist die Luft raus

Gold leitet nächsten Hausse-Trend ein