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02. November 2020

Joe Biden versus Donald Trump: Wer ist besser für die Börse?

Das Land ist zerrissen wie seit 100 Jahren nicht mehr. Schwarz gegen Weiß, Jung gegen Alt, die konservative Peripherie des Mittleren Westens gegen die liberalen Milieus in den Metropolen der Ost- und Westküste. Schon jetzt steht fest, selten zuvor haben die anstehenden US-Wahlen die Menschen in den USA derart aufgewühlt und mobilisiert. Dabei erinnere ich daran, dass die Amerikaner nicht nur den Präsidenten wählen, sondern auch ein Drittel des Senats neu besetzen werden. Die USA stehen also in der Eigenwahrnehmung vor einer historischen Richtungswahl. Folglich rechnen Wahlforscher mit einer Rekordwahlbeteiligung.  

Als Europäer und auch als Börsianer dürfen wir die Vorgänge in den USA mit weniger Emotion betrachten. Sowohl der Demokrat Joe Biden als auch Amtsinhaber Donald Trump haben für uns als Börsianer gleichermaßen Vor- wie Nachteile. Donald Trump steht für niedrige Steuern, eine expansive Geldpolitik und vor allem Kontinuität. Sollte der Republikaner wiedergewählt werden, dürfte dies dem Aktienmarkt zumindest kurzfristig helfen.

Joe Biden steht zwar sicherlich für höhere Steuern, aber auch für ausgedehnte Konjunkturprogramme. Ferner erwarte ich, dass er in den handelspolitischen Fragen gegenüber China und letztlich auch der EU zumindest in der Wortwahl konzilianter auftritt. Das muss nicht gleich für einen großen Sprung der Aktienindizes sorgen. Ein neuer Tonfall auf internationalem Parkett wird allerdings zumindest psychologisch wirken und kann europäische Indizes wie den DAX oder den Schweizer SMI durchaus stützen. Sowohl der DAX wie auch der SMI sind typische „Export-Indizes“. Hier mag man internationale Harmonie und florierenden Welthandel.   

Donald Trump droht mit der Anrufung des Supreme Court

Als Börsianer können wir also mit beiden US-Kandidaten letztlich gut leben. Einen Wahlausgang wollen wir freilich nicht sehen, nämlich einen unklaren oder umstrittenen. Zur Erinnerung: Donald Trump hat für den Fall eines knappen Wahlausgangs bereits angekündigt, dass er das Weiße Haus nicht einfach räumen wird, sondern stattdessen das Wahlergebnis vor dem US-Verfassungsgericht (Supreme Court) überprüfen lassen wird.

Zur Info: In den USA werden die Präsidentschaftswahlen auf der Ebene der Bundesstaaten organisiert. Dabei gestatten einige US-Bundesstaaten wie etwa Oregon nur noch die Wahl per Brief. Andere hingegen halten eine solche Abstimmung für undemokratisch, da nicht sichergestellt werden kann, wer hier tatsächlich wählt.

Für uns ist das Recht auf Briefwahl schon lange kalter Kaffee. Aber ich erinnere daran, dass sich in der alten Bundesrepublik das Verfassungsgericht zweimal – nämlich 1967 und 1981 – zu diesem Sachverhalt einlassen und hier für abschließende Klärung sorgen musste. In den USA steht eben diese rechtliche Klärung noch aus. Und die kann genau jetzt notwendig werden, wenn der aktuelle Amtsinhaber seine wahrscheinliche Niederlage nicht akzeptieren wird.

Das bedeutete, dass wir den Wahlsieger erst im Dezember kennen werden und dass bis dahin die US-Regierung quasi handlungsunfähig ist. Also erst einmal keine neuen Konjunkturprogramme, sondern Unsicherheit und politischer Stillstand in Washington. Ein solches Szenario mögen Börsianer überhaupt nicht.

Mein Fazit: Für uns ist der Ausgang der US-Wahl als Börsianer nicht „kriegsentscheidend“. Wichtig ist nur ein klares und offensichtlich nicht anfechtbares Ergebnis. In diesem Fall wird sogar Donald Trump das Weiße Haus planmäßig räumen. Hier gilt: Politische Klarheit erleichtert unsere Planungen als Börsianer und hilft dem Aktienmarkt.

Amazon liefert brillante Zahlen – Warum macht die Aktie keinen Meter?

Sicherlich sind Sie als aufmerksamer Börsianer bereits im Bilde. Amazon hat brillante Quartalszahlen vorgelegt. Dabei berichtete man ein Umsatzwachstum zum Vorjahr in Höhe von 37 %, während der Nettogewinn sogar verdreifacht werden konnte. Das US-Unternehmen profitierte erheblich von seiner Endkundensparte (Online-Shopping) wie auch von seinem Unternehmensgeschäft (Amazon Web Services). Gleichwohl machten die Anteilsscheine der Amazon keinen Meter.

Noch ein Beispiel: In dieser Woche legte der marktführende Spezialist für Internet-Infrastruktur, Akamai Technologies, deutlich besser als erwartetes Zahlenmaterial vor. Man steigerte den Nettogewinn um 15 % und übertraf die Analystenerwartungen um rund 7 %. Trotzdem sackte die US-Aktie zunächst mächtig ab.

Was ist beiden Unternehmen gemeinsam? Für sie ist die Corona-Pandemie wie gemalt. Dabei lässt das aktuelle Infektionsgeschehen darauf schließen, dass sich an diesem für Internet-Unternehmen günstigen Umfeld auch sobald nichts ändern wird. Warum werden diese digitalen Corona-Profiteure jetzt nicht mehr gekauft?

Die Antwort ist einfach: In einer Korrekturphase verkaufen Investoren wahllos und fassen am Ende auch beste Qualitätstitel an. Zudem darf man die Marktmacht der Indexfonds (ETF) nicht unterschätzen. Wenn hier Geld abfließt, wackeln auch die Leuchttürme im Markt, zumal Unternehmen wie Amazon, Apple oder Microsoft in den Indizes wie dem S&P 500 oder dem NASDAQ prominent gewichtet sind. In solchen Fällen wirkt die Doppel-Indexierung solcher Unternehmen sogar besonders ungünstig.

Sie sind auf die bevorstehende Korrektur bereits vorbereite

Die europäischen Aktienmärkte sind aufgrund des ungünstigen Infektionsgeschehens kombiniert mit teils einschneidenden Lockdown-Maßnahmen bereits in eine Korrektur eingetreten. Ich erwarte nun, dass die US-Märkte „nachkippen“. Auch in den USA ist das Infektionsgeschehen nicht eben günstig. Ein flächendeckender Lockdown nach europäischen Vorbild ist in den USA aber sehr unwahrscheinlich.

Gleichwohl dürfen wir die höhere Bewertung der US-Aktien – vor allem jener der Technologie-Branchen – nicht aus dem Blick verlieren. Letztlich gilt: Der US-Aktienmarkt benötigt auch ganz unabhängig vom Covid-Virus eine Abkühlphase. Die derzeitigen Bewertungen sind nicht nachhaltig.

Werfen wir zum Abschluss einen Blick auf den Chart des NADAQ 100, der meinen Befund unterstreicht. Den Chart habe ich für Sie am rechten Rand abgebildet. Ich sehe hier Gefahr im Verzug.

Chartkommentar: Der Index macht unter dem Strich bereits seit September keinen Meter mehr. Eine Erholungsbewegung ist im Oktober rasch kollabiert. Der NASDAQ 100 lief anschließend wieder auf eine Haltelinie bei knapp unterhalb von 11.000 Punkten zurück, die ich im Chartbild blau eingezeichnet habe. Ich gehe davon aus, dass diese Unterstützung nicht halten wird und vielleicht schon in dieser Woche unterhandelt wird. In diesem Augenblick tritt der US-Markt in eine Korrektur ein. Ich werde dann den Short auf den NASDAQ 100, den wir derzeit im NextGeneration-Depot halten, wieder zum Kauf empfehlen. Derzeit führe ich den Short noch als Halteposition.

Müssen wir uns große Sorgen machen? Nein, überhaupt nicht! Zumal ich Sie als Leser der Premium-Chancen bereits auf die erwartbare Korrektur vorbereitet habe. Bereits im September haben wir die bereits erwähnte Shortposition auf den NASDAQ 100 erworben. Zusätzlich habe ich nun die Cashquote im NextGeneration-Depot durch die Verkäufe der PSI Software und der Tomra Systems hochgefahren.

Daneben haben wir gleichzeitig einen Short auf den DAX für das Dividendendepot erworben. Wir haben also unsere Hausaufgaben erledigt und unsere Depots wirkungsvoll teilabgesichert.

Was kommt jetzt? Ähnlich wie im März bahnt sich eine glatte Korrektur ohne nennenswerte Zwischenerholungen an. Daher erwarte ich, dass diese Korrekturbewegung rasch abgeschlossen werden kann. Sie wird insgesamt gemessen an den Verlusten nicht von der Intensität wie der März-Rücksetzer sein. Gleichwohl werden wir die zwischenzeitlich eingetretenen Rücksetzer teilweise als schmerzhaft empfinden.

Aber wie immer wird auch diese Korrektur letztlich den nächsten Aufschwung vorbereiten. Ich bin optimistisch, dass es uns auch diesmal gelingen wird, von dem vorübergehenden Markttief zu profitieren.  

NASDAQ 100 kurz vor Korrektur

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