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06. Juli 2020

Zur Rose: Medikamentenhandel an der Schwelle zur Digitalisierung

Im abgelaufenen Quartal hat die deutsche Online-Apotheke Shop Apotheke ein Umsatzwachstum von 42 % geschafft. Hier profitierte das Unternehmen vor allem von der Corona-Pandemie. In diesem Zusammenhang hatten sich besorgte Verbraucher mit verschreibungsfreien Grippe-, Desinfektionsmitteln und Vitaminpräparaten eingedeckt. Zudem interessant am Zahlenwerk: Das Online-Geschäftsmodell zieht nun offenbar auch zunehmend außerhalb der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz). So meldete Shop Apotheke aus den übrigen westeuropäischen Märkten sogar eine glatte Umsatzverdopplung (+105 %).

Die Investoren erwarten nun, dass Zur Rose am 19. August ähnlich starkes Zahlenwerk vorlegen wird. Schließlich ist das Geschäftsmodell der beiden Unternehmen nahezu identisch. Folglich legte die Aktie der Zur Rose auf Wochensicht rund 20 % zu.

Im Hintergrund wirkt mittlerweile allerdings ein weit mächtigerer Faktor für die beiden Online-Apotheken. Das ist keine Übertreibung: Wir stehen an der Schwelle zur Digitalisierung des Gesundheitsmarktes. Stichworte hierzulande: Elektronisches Rezept und auch digitale Patientenakte.

Ich mache es für Sie am folgenden Beispiel konkret: Ich leide an einer leichten Hautrötung im Gesicht namens Rosacea. Dieses Symptom ist bei mir harmlos, aber chronisch. In der Vergangenheit habe ich also meinen Hautarzt regelmäßig aufgesucht und mir dort das geeignete und immer gleiche Rezept abgeholt. Anschließend habe ich eine stationäre Apotheke aufgesucht und dort das Präparat erhalten. Diese Besuche kosten mich inklusive der üblichen Wartezeiten regelmäßig ungefähr einen halben Tag.

Künftig werde ich meinen Hautarzt anrufen oder per Videokamera im Rahmen seiner digitalen Sprechstunde kontaktieren. Anschließend wird er es digital an meine Online-Apotheke leiten. Zwei Tage später finde ich das Präparat in meinem Briefkasten, ohne einmal mein Haus verlassen zu haben.

Sie haben schon lange verstanden, worauf ich hinauswill. Das Verordnungsprozedere wird künftig durch die Digitalisierung plus anschließendem Postversand des Medikamentes deutlich vereinfacht. Es ist klar, dass das digitale Prozedere nicht funktioniert, wenn wir beispielsweise sofort ein Schmerzmittel benötigen. Niemand will in einer solchen Situation den Postversand abwarten. Solche Akut-Situationen sind allerdings nicht die Regel. Tatsächlich entfallen 80 % der Verschreibungen auf Chroniker. Und diese Patientengruppe bestellt das Präparat üblicherweise zeitig und auf Vorrat. Die Zeitverzögerung, die durch den Postversand auftritt, ist also hier unproblematisch.

Das ist letztlich – jenseits des eingangs beschriebenen Corona-Effektes – die Ursache für den gewaltigen Kursanstieg der Zur Rose sowie der Shop Apotheke. Außerdem: Am vergangenen Freitag hat der Bundestag in Berlin das sog. Patienten-Daten-Schutz-Gesetz verabschiedet und damit endgültig den Weg für die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens geebnet.

Beachten Sie bitte, dass ich zuletzt den zuvor empfohlenen Teilverkauf der Zur Rose-Aktie durchgeführt habe. Diese Tranche brachte Ihnen, sofern Sie Leser der ersten Stunde sind, einen Gewinn in Höhe von 145 %. An der verbleibenden Position halten wir zunächst weiterhin fest. Derzeit ruft der Mehrheit der Analysten für Zur Rose ein Kursziel von 300 CHF Schweizer Franken auf.

Zur Rose wird zur Kursrakete

Das war und ist eine explosive Mischung: Die Aktie profitiert von der Pandemie. Gleichzeitig wirkt im Hintergrund als Kurstreiber die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Der Kursanstieg ist in seiner Dimension sicherlich übertrieben. Trotzdem setzen die Investoren hier auf das richtige Pferd.  

Empfehlung: halten

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