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28. September 2020

So arbeiten Sie mit Faktor-Zertifikaten wie ein Profi

Zuletzt (21. September) habe ich Ihnen im Rahmen einer Kurzempfehlung das 2x Short Faktor Zertifikat auf NASDAQ 100 – so die sperrige Bezeichnung der Société Générale – zum Kauf empfehlen. Wenn Sie das NextGeneration-Depot besuchen, werden Sie feststellen, dass ich dieses Short-Zertifikat auch schon in das Musterdepot eingebucht habe.

Im Folgenden erkläre ich am Beispiel dieses Wertpapiers, wie diese Instrumente in der Praxis funktionieren. Dabei werden Sie auch erfahren, dass Faktor-Zertifikate unter gewissen ungünstigen Umständen wertlos verfallen können. Bevor Ihr Puls jetzt in die Höhe rast: Bei Faktor-Zertifikaten auf marktbreite Indizes ist das Ausfallrisiko eher theoretischer Natur. Am Ende dieser Besprechung werden Sie in der Lage sein, Faktor-Zertifikate auf alle gängigen Basiswerte wie Indizes, Einzelaktien oder etwa Rohstoffe professionell zu handeln.

Die Wirkweise dieses Short-Zertifikats auf den NASDAQ 100 dürfte Ihnen allen bekannt sein. Hier profitieren Sie, sobald der US-Index fällt. Steigt der Index hingegen, erleiden Sie zunächst Verluste. Dabei weisen Faktor-Zertifikate, wie der Name bereits andeutet, immer einen Faktor oder Hebel auf.

Beispiel: Unser Short-Zertifikat ist mit einem Hebel von 2 ausgestattet. Fällt der Basiswert (NASDAQ 100) also um 1 %, steigt unser Zertifikat gleichzeitig aufgrund des Hebels um 2 %. Wie bereits erwähnt funktioniert diese Wirkweise natürlich auch in die andere Richtung. Dabei wird ein Zertifikat immer auf Tagesbasis berechnet. Faktoren wie sie auf Optionsscheine – z.B. Volatilität, Zinsen oder Zeitwert – wirken, spielen bei einem Faktor-Zertifikat keine Rolle. Das macht die Faktor-Zertifikate transparent und einfach anwendbar.

Noch ein Vorteil des Faktor-Zertifikats gegenüber dem Optionsschein: Faktor-Zertifikate werden in aller Regel ohne feste Laufzeit emittiert. Anders formuliert: Wenn wir einmal ein solches Zertifikat – ganz gleich ob long oder short – zu früh gekauft haben und sich die gewünschte Kursentwicklung des Basiswertes zunächst nicht einstellt, haben wir dennoch Zeit, vorübergehende Kursverluste auszusitzen. Optionsscheine hingegen sind vorab mit einer festen Laufzeit ausgestattet. Wenn sich die erwartete Entwicklung des Basiswertes erst nach Auslaufen des Scheins einstellt, ist das echtes Börsianerpech.

Meiden Sie sehr hohe Hebel!

Eingangs hatte ich erwähnt, dass Faktor-Zertifikate ungeachtet ihrer günstigen Ausstattung durchaus wertlos verfallen können. Ein fiktives Beispiel: Am vergangenen Montag ist die Aktie der Ballard Power in New York um 15 % gefallen. Anleger Max Mutig, ein echter Anhänger der Brennstoffzelle, hielt an diesem Tag ein Long-Zertifikat mit Hebel 8 auf die Aktie der Ballard Power. Er spekulierte also auf steigende Notierungen.

Was ist an diesem Tag mit dem Zertifikat geschehen? Rein rechnerisch hätte das Long-Zertifikat an diesem Tag um 120 % (15 % Tagesverlust mal Hebel 8) fallen müssen. Damit hätte der Anleger am Ende sogar Geld (20 %) nachschießen müssen. Das ist natürlich nicht der Plan. Deshalb sind alle Faktor-Zertifikate mit einer sog. Reset-Barriere oder einem vergleichbaren Notsystem ausgestattet, der das Verlustrisiko des Anlegers immer begrenzt, sodass noch ein steuerrelevanter Verkauf des Zertifikates möglich ist. Der Preis, den Sie im Rahmen eines solchen Verkaufs erzielen, entspricht allerdings fast dem Totalverlust.  

Ein solches Szenario ist bei dem von mir ausgewählten Short-Zertifikat auf den NASDAQ 100 in der Praxis ausgeschlossen. Nur wenn der NASDAQ 100 innerhalb eines Tages um 40 %  oder mehr steigt, greift das Notsystem. Sie werden mir zustimmen, dass es in der Praxis ausgeschlossen ist, dass ein marktbreiter Index, der 100 stark-kapitalisierte Aktien umfasst, binnen eines Tages um 40 % steigt.

Generell gilt: Der Abstand zur Reset-Barriere liegt bei einem zweifach gehebelten Faktor-Zertifikat prinzipiell bei knapp 50 %. Bei einem Hebel von 4 beträgt er knapp 25 %, bei einem Hebel von 10 nur noch knapp 10 %. Das Prinzip ist Ihnen wahrscheinlich schon längst klar. Sie teilen immer 100 % durch den Hebel und ermitteln damit automatisch den Abstand zur Reset-Barriere.

Ich fasse zusammen: Setzen Sie mithilfe eines Faktor-Zertifikats auf einen eher trägen und marktbreiten Index, ist das Risiko des Totalverlusts theoretisch. Setzen Sie hingegen auf volatile Einzelaktien in Kombination mit einem hohen Hebel, ist das Risiko des Totalausfalls durchaus sehr real.

Was passiert eigentlich, wenn die Bank schlapp macht?

Jetzt unterstellen wir einmal, dass unsere Absicherung gegen den NASDAQ 100 greift. Unser Short-Zertifikat legt also anständig zu. Im selben Moment meldet allerdings der Emittent, also die Société Générale, Insolvenz an. So gut die Planung dann auch war, im Insolvenzfall des Emittenten blickt der Investor immer in die Röhre.

Einige Basisinformationen: Zertifikate bzw. Derivate sind immer Inhaberschuldverschreibungen. Mit anderen Worten: Hier leihen Sie der Bank Geld. Genau deshalb greife ich bei Derivaten gerne auf das Angebot der Société Générale zurück. Denn die Franzosen verfügen mittlerweile wieder über eine starke Bonität, von der so einige EU-Länder nur träumen können. Kurzum: Die Société Générale wird ihren Zahlungsverpflichtungen nach menschlichem Ermessen gegenüber uns in jedem Fall nachkommen.

Ich will dieses Thema Bonität nicht zu hoch hängen. Seit der Finanzkrise 2008/9 hat sich die Bonität nahezu aller europäischer Banken durchgreifend verbessert. So wäre ich wahrscheinlich auch bereit gewesen, dieses Short-Zertifikat von der Deutschen Bank oder der Commerzbank zu kaufen.

Aber: Möglicherweise werden wir in unserem Börsenleben irgendwann nochmal eine Bankenkrise erleben. Dann sollten Sie einfach diese Informationen im Hinterkopf haben und bei der Auswahl des Emittenten eine gewisse Vorsicht walten lassen.

Zum Abschluss noch einige Hinweise: Wir werden im Rahmen der Premium-Chancen immer wieder auf Zertifikate setzen. Für meine Strategie sind sie immer dann wichtig, wenn ein Direktinvestment nicht möglich ist. Das gilt z. B. im aktuellen Fall, wenn wir eine